Barrierefreies Internet

Das Internet eröffnet gerade Menschen mit Behinderungen eine weite Bandbreite an Möglichkeiten. Nicht nur mobilitätsbehinderte sondern auch sinnesbehinderte Personen können bequem von zu Hause aus Erledigungen vornehmen, die ihnen Barrieren im Alltag sonst als unausführbar erscheinen lassen. Gehörlose können zwar zu jeder beliebigen Zeit Informationen abrufen und lesen, E-Mails versenden und empfangen und bei Online-Foren mitdiskutieren -im Internet merkt niemand, ob der Chat-Partner ein Hörbehinderter ist, hier ist jeder gleich – doch hürdenfrei ist das Internet längst nicht so, wie es scheint.

Für Gehörlose stellt die Nutzung des Internets oft weit größere Probleme dar, als nur das Verstehen von Filmen, Videos oder Podcasts. Viele Gehörlose haben, je nach Erziehung und Hörschädigungsgrad, ein grundlegend anderes Verständnis von der Welt und fassen visuelle Symbole und Schrift anders auf. Dabei spielt nicht nur der physische Grad der Beeinträchtigung eine Rolle, sondern auch der psychische, denn sowohl der physische, als auch der psychische Grad der Beeinträchtigung, wirken sich auf die Aufnahme von Webinhalten aus. Somit ist das Internet nicht nur eine große Hilfe für die Kommunikation, sondern bietet auch gleichzeitig Barrieren, die Gehörlosen oft sehr viel abverlangen.

Die Gebärdensprache als Muttersprache

Der Zugang zum Internet und die damit verbundene Unabhängigkeit, steht nur für jene Gehörlose offen, die die Schrift beherrschen. Alle anderen bleiben ausgeschlossen. Doch warum ist das Problem der fehlenden Schriftsprachkompetenz unter den Gehörlosen so imminent? Obwohl in Gehörlosenschulen Menschen mit einer Hörschädigung speziell gefördert werden, verlassen viele die Schule (bis zu 80 %). Als Folge sind sprachliche, emotionale und kognitive Beeinträchtigungen. Sprachlich gesehen befinden sich solch Betroffene auf dem Stand von hörenden Viertklässlern. Sie haben einen viel kleineren Wortschatz als hörende Personen. Außerdem haben Hörende einen natürlicheren Zugang zum Schreiben und Lesen. Somit kann man sagen, dass die Lautsprache für Gehörlose eine Fremdsprache darstellt, während die Gebärdensprache ihre eigentliche Muttersprache ist.

Avatare als Gebärdensprachdolmetscher im Internet

Nicht nur im Fernsehen besteht das Problem fehlender Untertitel und die Darstellung in Gebärdensprache. Auch im Internet fehlt es viel zu oft an einer entsprechenden Darstellung für Gehörlose, obwohl es doch heißt Informationen müssen für alle Menschen verständlich und in jeder natürlichen Sprache vorhanden sein. Die Gebärdensprache ist eine Sprache, das heißt gehörlose Menschen haben ein Recht darauf, ihr Leben so leben zu können, wie alle anderen auch, ohne benachteiligt zu werden.

Die kognitiven Probleme, die eine Hörschädigung in den meisten Fällen begleitet, erschwert Gehörlosen das Lesen von Inhalten im Internet. Daher sollen Texte bzw. Untertitel mit möglichst einfachen Worten und kurzen Sätzen verfasst werden. Texte in der sogenannten einfachen Sprache richten sich aber eher nach Menschen mit Lernschwierigkeit.

Daher wird nach einer Lösung in Gebärdensprach-Filmen gesucht. Diese sehen ein Verfahren vor, bei dem künstlich entwickelte Gebärdensprachdolmetscher die Inhalte wiedergeben sollen, um so gehörlosen Menschen das World Wide Web zugänglicher zu machen und Hürden aus dem Weg zu räumen. Die Avatare können vom Betrachter mit der Maus gedreht werden, dabei drückt sich der virtuelle Gebärdensprachdolmetscher mit Kopfbewegungen und Gesichtausdrücken aus. Schultern, Riste, Ellenbogen, Hals, Augen, Augenbrauen und Lippen werden artikuliert.